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Die Aargauer Landwirtschaft bringt die Getreideernte ein
Die Aargauer Landwirtschaft bringt die Getreideernte ein

Bei besten Bedingungen wird im Moment im Aargau die Getreideernte eingebracht. Doch warum sind die Bedingungen überhaupt gut und welche Getreidearten werden im Aargau geerntet? Der Bauernverband Aargau (BVA) gibt Auskunft.

Getreide wird schon seit Urzeiten angebaut und in der menschlichen und tierischen Ernährung geschätzt. Es zählt zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln dieser Erde. Doch Getreide ist nicht gleich Getreide, man unterscheidet zwischen Brotgetreide wie Weizen, Dinkel und Roggen und Futtergetreide wie Gerste, Triticale oder Hafer.  

Die wirtschaftliche Bedeutung des Getreideanbaus im Kanton Aargau ist sehr gross. So werden beim Brotweizen ca. 8200 ha von insgesamt 80‘000 ha schweizweit hier produziert. Die guten Aargauer Ackerböden eignen sich für den Getreidebau, weil auch die nicht topfebenen Flächen sehr gut mit Getreide bestellt werden können. Für die meisten Arten ist genügend Niederschlag vorhanden, was die die guten Bedingungen komplettiert. In niederschlagsreicheren Gebieten wird viel Dinkel angebaut, da diese Getreideart den Regen gut erträgt. Mit den trockenen Bedingungen, z.B. im Fricktal, kommt der Weizen sehr gut klar. Die Erträge pro Fläche sind dank besserer Sorten und dem technischen Fortschritt gestiegen. Erzielte man z.B. mit Weizen im Jahr 1985 noch einen durchschnittlichen Ertrag von 5 Tonnen pro Hektare, darf man heute auf Erträge von ca. 6.5 Tonnen hoffen. Der Produzenten-Preis für Weizen ist nicht einheitlich. Je nach Qualität der angebauten Sorte und der abgegebenen Ware erhält der Landwirt zwischen Fr. 470. – und Fr. 550. – pro Tonne im konventionellen Landbau.  


Wann wird der Mähdrescher aufgeboten?  
Das Getreide wird geerntet, wenn es die sogenannte Totreife erreicht hat. Der Wassergehalt der abgelieferten Körner ist dann unter 15% und somit ist das Getreide in der Mühle ohne Nachbehandlung lagerfähig. Für jeden Landwirt stellt die Bestimmung des Zeitpunktes eine Herausforderung dar. Wird zu früh gemäht, ist der Wassergehalt zu hoch und die Lieferung erfährt einen Gewichtsabzug und muss künstlich getrocknet werden, dies alles auf Kosten des Produzenten. Verpasst der Landwirt den optimalen Zeitpunkt, wird das Getreide zu trocken gemäht und der tiefe Wassergehalt reduziert das abgegebene Gewicht. Über allen Überlegungen steht immer noch die Angst des Auswuchses der Getreidekörner. Sind diese nämlich fast reif und werden dann für mehrere Tage einem Regenwetter ausgesetzt, beginnen die Körner noch auf der Ähre zu keimen und das Getreide taugt höchstens noch als Futtergetreide. Eine Angst, die in diesen heissen und trockenen Juli-Tagen 2019 sicher nicht besteht. 

 

Bio und Extenso im Vormarsch 
Der Anbau ohne Pflanzenschutzmittel gegen Krankheiten oder Schädlinge macht in der Schweiz 32 Prozent des Futtergetreides und 64 Prozent des Brotgetreides aus. Dieses umweltschonend produzierte Getreide nennt man Extenso-Getreide. Für diese Anbaumethode erhält der Landwirt eine Prämie von Fr. 400. – pro Hektare, was ihm im Normalfall den Minderertrag ersetzt. Die neu gezüchteten Sorten sind resistenter gegen Krankheiten, weshalb der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden kann und somit der Extensoanbau wirtschaftlich ist.  
Noch einen Schritt weiter geht die Bio-Produktion. Diese kommt gänzlich ohne Pflanzenschutzmittel aus und der Bio-Landwirt hat kein chemisches Mittel für die Unkrautbekämpfung zur Verfügung. Dieses Handicap löst er mit mechanischen Geräten wie Ackerstriegel oder sogar Hackgerät, mit denen das Unkraut bekämpft wird. Eine Restverunkrautung mit harmlosen Unkräutern wird dabei in Kauf genommen, Problemunkräuter können nur mühsam von Hand entfernt werden. Allein in den letzten sechs Jahren stieg die Produktion von Bio-Knospe-Weizen um 38 Prozent.  

 

Getreide in der Tierfütterung 
Gut die Hälfte des in der Schweiz produzierten Getreides wird den Tieren verfüttert. Als Futtergetreide zählen hauptsächlich Gerste, Triticale (Mischung aus Weizen und Roggen) und Hafer. Vor allem Schweine und Hühner fressen Getreide. Milchkühe benötigen pro Tag je nach Milchleistung bis zu zwei Kilogramm Getreide als Kraftfutter. Im Getreide sind wesentlich mehr Stärke und Vitamine enthalten als im Gras oder Heu.  

 

Getreideernte heisst auch Strohernte 
Ein Nebenprodukt aus der Getreideernte ist das ausgedroschene Stroh. Es wird von den Landwirten meist zu Ballen gepresst und dann als Einstreue für die Tierhaltung gebraucht. Das steigende Bewusstsein für das Tierwohl und die vielen neuen Ställe mit hohem Tierkomfort verlangen nach sehr viel Stroh. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren klar angestiegen. Die verschiedenen Formen der Ballen (rund oder eckig, klein oder gross) spielt dabei keine Rolle. In erster Linie werden heutzutage sehr viel Grossballen produziert, da sie weniger Arbeit verursachen und sehr platzsparend aufbewahrt werden können.   

 

Bild: Getreideernte in Meisterschwanden am 22.07.2019