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Landwirtschaft als Teil der Umwelt - Die Ökoleistungen der Schweizer Bauern
Landwirtschaft als Teil der Umwelt - Die Ökoleistungen der Schweizer Bauern

Streifen mit blühenden farbigen Blumen neben dem Getreidefeld oder meterhohe Hecken mit einheimischem Gehölze zwischen zwei Wiesen? Über 14 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Schweiz (17% im Kanton Aargau) werden von den Landwirten mittlerweile ganz bewusst aus der intensiven Produktion von Lebensmitteln ausgeschieden, um Platz für möglichst viele verschiedene Pflanzen und Tiere zu schaffen. Biodiversitätsförderflächen (BFF) lautet die offizielle Bezeichnung dieser Elemente. Damit fördert die Landwirtschaft gezielt die biologische Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt.

Die Bevölkerung in der Schweiz hat sich in den letzten hundert Jahren mehr als verdoppelt. Die Anbauflächen sind entsprechend zurückgegangen. Die Bauernfamilien müssen also mit weniger Anbaufläche viel mehr Leute ernähren. Seit einigen Jahren werden Wege gesucht, moderne Anbaumethoden in den Einklang mit der Umwelt zu bringen und dazu die hohen Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten zu erfüllen.

 

Der Kunde entscheidet mit

Blitzblanke Äpfel oder äusserlich perfekte Salate ohne jegliche Erdkrümel: Daran haben sich die Schweizer Konsumenten gewöhnt. Trotz dieser hohen Qualität sind die Preise für Lebensmittel aber sogar eher rückläufig. Nicht einmal sieben Prozent des verfügbaren Einkommens gibt ein Schweizer Haushalt heute durchschnittlich für Nahrungsmittel aus. Vor ein paar Jahrzehnten lag dieser Anteil noch bei über 35 Prozent. Wie war diese Entwicklung überhaupt möglich? Unter anderem dank der Modernisierung in der Landwirtschaft: das heisst mit dem Einsatz von rationeller Technik sowie von Hilfsstoffen wie Mineraldünger oder Pflanzenschutzmitteln. Neu gezüchtete Sorten ermöglichten höhere Ernten. Doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Die Intensivierung hatte negative Folgen für die Umwelt. Deshalb befindet sich die Schweizer Landwirtschaft seit ein paar Jahren in einem Ökologisierungsprozess. Oft ist dieser mit Ernteeinbussen oder höheren Arbeitskosten verbunden. Beispielsweise wenn anstatt Weizen, Blumen angesät werden . Oder Getreideernten wegen des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel tiefer ausfallen und wenn anstatt ein Unkrautbekämpfungsmittel aufwändig gehackt werden muss.

 

Zehn Öko-Massnahmen der Schweizer Bauern

1.       Einhaltung einer vielfältigen Fruchtfolge im Rahmen des ÖLN,  keine Monokulturen .

2.       14 Prozent der Landwirtschaftlichen Nutzfläche sind  Biodiversitätsflächen (BFF) wie Hecken, Blumenwiesen, Blühstreifen, Buntbrachen, Stein- und Asthaufen, usw. Vom Bund gefordert sind eigentlich nur sieben Prozent.

3.       Mit über 14 Prozent Bioanbauflächen belegt die Schweiz weltweit einen Spitzenplatz.

4.       Ganzjährige Begrünung der Ackerflächen schützt vor  Erosionsverlusten.

5.       Ökostrom aus Biogasanlagen oder von bäuerlichen Solaranlagen  reduziert CO2-Emissionen.

6.       Die Anzahl der Hochstammbäume nimmt nach Jahren des  Rückgangs wieder zu.

7.       Rund 50 Prozent des Schweizer Getreides wird nach den Extensorichtlinien, d.h. ohne Fungizide und Insektizide angebaut.

8.       Die Schweizer Bauern unterstützten den Nationalen Aktionsplan  Pflanzenschutzmittel, der die Halbierung der Risiken des Pflanzenschutzmitteleinsatzes anstrebt.

9.       Der Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge ist in Gewächshäusern Standard.

10.   Mehr als 75 Prozent der Schweizer Bauernhöfe mit Tierhaltung  nehmen am Programm für graslandbasierte Milch- und  Fleischproduktion (GMF) teil.

 

Ziel: Qualität steigern und nicht Quantität. Biodiversität bewahren und fördern. Pflanzenschutzmittel mit Nützlingen möglichst tief halten.

 

Was für ein Interesse haben die Landwirtinnen und Landwirte die Biodiversität zu erhalten und zu fördern? Mit einer intakten Natur wird das Nützlings-Schädlings-Gleichgewicht aufrechterhalten und das Risiko von Massenvermehrungen von Schädlingen wird somit vermindert. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der auch wegen den hohen Kosten vermieden werden möchte, kann gesenkt werden. Nützlingsförderung heisst auch Förderung der biologischen Vielfalt und leistet indirekt einen Beitrag zum Naturschutz.

Höhere Qualität zu tieferem Preis?

Die Landwirte stehen also einem Dilemma gegenüber: Mehr Vorschriften und höhere Kosten stehen im Widerspruch zu immer tieferen Preisen und hohen Qualitätsanforderungen der Abnehmer. Bleibt nur eine Blattlaus auf einem Kopfsalat hängen, schickt der Abnehmer die Ware zurück zum Bauern. Äpfel mit gesundheitlich unbedenklichen Schorfflecken blüht das gleiche Schicksal. Klar, dass die betroffenen Bauern deshalb Pflanzenschutzmittel einsetzen, was aber von der Gesellschaft eher abgelehnt wird. Eine Lösung wäre: Die Ansprüche etwas herunterschrauben und einen anständigen Preis für das Lebensmittel zu bezahlen, in dem auch die Ökoleistungen abgegolten sind.

 

So unterstützen Konsumenten die Schweizer Bauern bei der Ökologisierung der Landwirtschaft:

    • Kaufen Sie einheimische Produkte
    • Achten Sie auf die Saisonalität der Produkte, saisongerechte Produktion ist umweltfreundlicher.
    • Greifen Sie auch zu Obst und Gemüse mit leichten äusserlichen Mängeln, damit honorieren Sie einen sparsameren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
    • Kaufen Sie nicht zu viel, sondern bedarfsgerecht ein und verhindern Sie so Foodwaste.
    • Kaufen Sie Label-Produkte wie IP-Suisse oder Bio, welche zusätzlich zu den bereits strengen Vorgaben des Bundes weiter gehende Umweltvorschriften erfüllen.
    • Ökostrom vom Bauernhof ist CO2-neutral und reduziert den Ausstoss von klimaschädlichem Methan.